Der erste Blindtest von Three Souls: Rivals – Ein Stresstest für das Regelwerk

Am Sams­tag, den 28.03.2026, stand für Three Souls: Rivals der ers­te ech­te Blind Play­test an.

Bis zu die­sem Punkt hat­te ich öffent­li­che Spie­le­tests immer beglei­tet, erklärt und an vie­len Stel­len aktiv mit­ge­tra­gen. Die­ses Mal war das anders. Ich erklär­te nichts, griff kaum ein und konn­te statt­des­sen beob­ach­ten, wie Spie­ler das Mate­ri­al in die Hand nah­men, im Regel­werk nach Ori­en­tie­rung such­ten und ver­such­ten, sich das Spiel selbst zu erschlie­ßen.

Genau das mach­te die­sen Test für mich so span­nend. Zum ers­ten Mal soll­te sich zei­gen, was pas­siert, wenn Three Souls: Rivals und sein Regel­werk ohne mich aus­kom­men müs­sen.

Geplant war damit vor allem ein Test der Eigen­stän­dig­keit des Spiels und ein Stress­test für das Regel­werk.
Am Ende wur­de der Tag jedoch noch etwas mehr als das: ein auf­schluss­rei­cher Wen­de­punkt, der nicht nur Schwä­chen sicht­bar gemacht hat, son­dern auch gezeigt hat, dass das Spiel bereits mehr trägt, als ich in die­sem Moment erwar­tet hat­te.


Spieletest in Zahlen:

Ort:Frei­spiel Frei­burg
Datum:28.03.2026
Spie­ler:2 / 4
Gespiel­te Par­tien:2 / 2
Test­fo­kus:Stress­test: Regel­werk, Eigen­stän­dig­keit des Spiels

Im Mit­tel­punkt stand dabei vor allem die Fra­ge, wie sich Spie­ler einem unbe­kann­ten Spiel tat­säch­lich nähern.

Wür­den sie das Regel­werk kon­zen­triert lesen? Wür­den sie die Struk­tur fin­den? Wür­den sie die wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen an den rich­ti­gen Stel­len suchen? Genau das woll­te ich die­ses Mal nicht erklä­ren, son­dern beob­ach­ten.

Das Regel­werk wird gemein­sam gele­sen– der Ein­stieg beginnt nicht line­ar.

Die ers­te Grup­pe bestand aus zwei Gele­gen­heits­spie­lern und spiel­te das Spiel genau unter die­sen Bedin­gun­gen: ohne akti­ve Ein­füh­rung, ohne beglei­ten­de Erklä­run­gen und fast voll­stän­dig auf sich allein gestellt. Ich griff nur dort ein, wo das Mate­ri­al selbst objek­tiv fal­sche Infor­ma­tio­nen lie­fer­te.

Dass der Tag am Ende noch deut­lich ergie­bi­ger wur­de als geplant, ergab sich erst spon­tan. Nach dem ers­ten Test konn­te ich noch eine zwei­te Grup­pe für Three Souls: Rivals gewin­nen.

Die­se bestand aus vier eher uner­fah­re­nen Brett­spie­lern und spiel­te eben­falls zwei Par­tien. Streng genom­men war das kein rei­ner Blind­test mehr, da ich an einem Punkt stär­ker ein­grei­fen muss­te. Trotz­dem wur­de gera­de die­ser Kon­trast zwi­schen bei­den Grup­pen für den Tag beson­ders auf­schluss­reich.

Gruppe 1 – das Regelwerk trägt, aber nur unter Druck

Die ers­te Grup­pe war der eigent­li­che Kern die­ses Tages.

Zwei Gele­gen­heits­spie­ler setz­ten sich mit dem Spiel­ma­te­ri­al und dem Regel­werk an den Tisch und ver­such­ten, sich Three Souls: Rivals selbst bei­zu­brin­gen.

Dabei zeig­te sich sehr schnell, dass sie das Spiel nicht in der Rei­hen­fol­ge ken­nen­ler­nen woll­ten, in der das Regel­werk es anbie­tet. Statt sich zunächst einen voll­stän­di­gen Über­blick zu ver­schaf­fen, such­ten sie direkt nach Auf­bau und Spiel­ab­lauf, um mög­lichst schnell anfan­gen zu kön­nen.

Genau dort geriet das Regel­werk unter Druck. Meh­re­re zen­tra­le Grund­re­geln wur­den ent­we­der über­se­hen, nur teil­wei­se ver­stan­den oder erst mit­ten im Spiel nach­träg­lich kor­ri­giert.

Mit jeder Ent­schei­dung wächst das Ver­ständ­nis für das Sys­tem.

Gera­de im Duell­mo­dus führ­te das zu spür­ba­ren Pro­ble­men: Die Zug­rei­hen­fol­ge blieb zunächst unklar, Sup­port- und Arte­fakt­kar­ten wur­den nach den nor­ma­len Regeln genutzt, obwohl sie im Duell anders funk­tio­nie­ren, und auch bei der Ver­tei­lung von Scha­den und der Wahl betrof­fe­ner Rei­hen ent­stan­den Miss­ver­ständ­nis­se.

Trotz­dem war gera­de die­se ers­te Par­tie nicht ein­fach nur ein Fehl­ver­such. Denn obwohl vie­les chao­tisch, unge­ord­net und regel­tech­nisch falsch lief, ent­stand bereits ein funk­tio­nie­ren­des Spiel­ge­fühl.

Die Spie­ler hat­ten sicht­bar Spaß dar­an, mit den Kar­ten zu han­tie­ren, auf Situa­tio­nen zu reagie­ren und das Sys­tem Stück für Stück zu begrei­fen. Dass sie nach die­ser ers­ten Par­tie direkt eine zwei­te spie­len woll­ten, war des­halb eines der stärks­ten Signa­le des Tages.

Struk­tur ent­steht und mit ihr die ers­ten ech­ten tak­ti­schen Über­le­gun­gen.

Die­se zwei­te Par­tie wirk­te anschlie­ßend deut­lich struk­tu­rier­ter und tak­ti­scher. Nach­dem die wich­tigs­ten Miss­ver­ständ­nis­se geklärt waren, wur­de spür­bar, wie sehr das Spiel von kla­ren Abläu­fen und bewuss­tem Abwä­gen lebt. Reak­tio­nen wur­den nicht mehr ein­fach impul­siv aus­ge­spielt, son­dern stär­ker in den Kon­text von Angriff, Vor­be­rei­tung und Risi­ko ein­ge­ord­net.

Gera­de dadurch wur­de für mich deut­lich: Das Pro­blem lag an die­sem Punkt nicht dar­in, dass das Spiel nichts her­gibt, son­dern dar­in, dass das Regel­werk den Zugang dazu noch nicht zuver­läs­sig genug eröff­net.

Zwei Spie­ler, zwei Per­spek­ti­ven – und ein Spiel, das sich lang­sam ent­fal­tet.

Gruppe 2 – vereinfachter Einstieg und neue Erkenntnis zur Zugänglichkeit

Statt bei einer ein­zi­gen Blind­test-Grup­pe zu blei­ben, ergab sich nach dem ers­ten Durch­lauf noch eine wei­te­re Run­de mit vier deut­lich uner­fah­re­ne­ren Brett­spie­lern.

Damit ver­schob sich der Fokus etwas. Es ging nun nicht mehr nur dar­um, wie sich das Regel­werk unter Blind­test-Bedin­gun­gen ver­hält, son­dern auch dar­um, wie zugäng­lich Three Souls: Rivals in einem ver­ein­fach­ten Set­up tat­säch­lich ist.

Im Ver­lauf des Ein­stiegs wur­de deut­lich, dass die­se Grup­pe eine ande­re Form der Beglei­tung brauch­te als die ers­te. Des­halb ent­schied ich mich, die Cham­pi­ons für die­sen Test bewusst weg­zu­las­sen und das Spiel nur mit ver­sie­gel­ten Resis­ten­zen zu spie­len.

Im ver­ein­fach­ten Set­up wird der Ein­stieg deut­lich zugäng­li­cher.

Rück­bli­ckend war das die rich­ti­ge Ent­schei­dung. Gera­de für die­se Run­de wäre die zusätz­li­che Kom­ple­xi­tät der Cham­pi­ons eher eine Hür­de gewe­sen als ein Gewinn.

Inter­es­sant war dabei vor allem, dass das Spiel in die­ser redu­zier­ten Form sehr gut funk­tio­nier­te. Die Grup­pe fand schnell ins eigent­li­che Spiel­ge­sche­hen, ver­stand das Grund­prin­zip gut und nahm die Par­tie trotz ihrer Län­ge als über­ra­schend leicht zugäng­lich wahr.

Auch hier zeig­te sich also nicht ein­fach nur ein Pro­blem des Ein­stiegs, son­dern gleich­zei­tig ein Poten­zi­al: Three Souls: Rivals scheint in einer ver­ein­fach­ten Form auch Spie­ler abho­len zu kön­nen, die mit kom­ple­xe­ren Brett­spie­len bis­her wenig Erfah­rung haben.

Dass die glei­che Grup­pe direkt noch eine zwei­te Par­tie spiel­te, ver­stärk­te die­sen Ein­druck zusätz­lich. Mit bekann­tem Kar­ten­pool und kla­re­rem Ver­ständ­nis lief das Spiel deut­lich flüs­si­ger. Für mich war das nicht nur ein posi­ti­ves Signal für den Ein­stieg ins Grund­spiel, son­dern auch ein Hin­weis dar­auf, dass nicht jede Grup­pe den­sel­ben Ein­stieg braucht.

Mit wach­sen­dem Ver­ständ­nis wird das Spiel spür­bar flüs­si­ger.

Was der Blindtest über das Regelwerk gezeigt hat

Der Blind­test mach­te eines deut­lich: Das Pro­blem des Regel­werks liegt nicht nur in ein­zel­nen unkla­ren For­mu­lie­run­gen, son­dern in sei­ner grund­le­gen­den Struk­tur.

In bei­den Grup­pen zeig­te sich ein ähn­li­ches Ver­hal­ten. Die Spie­ler woll­ten das Spiel nicht zuerst voll­stän­dig lesen und ver­ste­hen, son­dern mög­lichst schnell auf­bau­en und anfan­gen.

Statt das Regel­werk von vor­ne nach hin­ten durch­zu­ge­hen, such­ten sie gezielt nach Auf­bau, Spiel­ab­lauf und kon­kre­ten Hand­lungs­mög­lich­kei­ten. Alles, was ihnen in die­sem Moment nicht direkt wei­ter­half, wur­de über­sprun­gen oder erst spä­ter nach­ge­schla­gen.

Genau an die­ser Stel­le ver­liert das aktu­el­le Regel­werk an Wir­kung. Wich­ti­ge Grund­re­geln ste­hen zwar im Text, sind aber ent­we­der zu impli­zit for­mu­liert, nicht klar genug her­vor­ge­ho­ben oder an Stel­len plat­ziert, an denen Spie­ler sie in die­sem Moment nicht erwar­ten. Dadurch ent­ste­hen kei­ne ein­zel­nen Miss­ver­ständ­nis­se, son­dern gan­ze Ket­ten von Fehl­in­ter­pre­ta­tio­nen.

Die Funk­ti­ons­wei­se von Angriffs­kar­ten und deren zusätz­li­che Effek­te war nicht ein­deu­tig genug for­mu­liert. Im Duell­mo­dus fehl­te eine kla­re Erklä­rung, wie sich die Zug­struk­tur ver­än­dert und wel­che Rol­le ein akti­ver Spie­ler über­haupt ein­nimmt. Gleich­zei­tig wur­de nicht aus­rei­chend her­vor­ge­ho­ben, dass Sup­port- und Arte­fakt­kar­ten in die­sem Modus ande­ren Regeln fol­gen und nicht mehr frei ein­ge­setzt wer­den kön­nen.

Die­se Pro­ble­me haben eine gemein­sa­me Ursa­che: Das Regel­werk setzt aktu­ell vor­aus, dass es voll­stän­dig und in der vor­ge­se­he­nen Rei­hen­fol­ge gele­sen wird. Der Blind­test hat jedoch gezeigt, dass genau das in der Pra­xis nicht pas­siert. Spie­ler nähern sich dem Spiel situa­tiv, suchen gezielt nach Ant­wor­ten und erwar­ten, dass zen­tra­le Infor­ma­tio­nen genau dort zu fin­den sind, wo sie sie brau­chen.

Mehr Mög­lich­kei­ten am Tisch, aber nur, wenn sie auch ver­stan­den wer­den.

Welche Konsequenzen ich aus dem Blindtest ziehe

Aus die­sen Beob­ach­tun­gen ergibt sich für mich eine kla­re Kon­se­quenz: Das Regel­werk von Three Souls: Rivals muss grund­le­gend über­ar­bei­tet wer­den.

Dabei geht es nicht nur dar­um, ein­zel­ne For­mu­lie­run­gen zu ver­bes­sern oder Unklar­hei­ten zu besei­ti­gen. Der Blind­test hat gezeigt, dass vor allem die Struk­tur des Regel­werks neu gedacht wer­den muss. Infor­ma­tio­nen müs­sen so ange­ord­net sein, dass sie genau dann ver­füg­bar sind, wenn Spie­ler sie suchen – nicht erst, wenn sie das gesam­te Regel­werk gele­sen haben.

Ein zen­tra­ler Punkt wird dabei sein, den Ein­stieg deut­lich stär­ker auf den tat­säch­li­chen Spiel­be­ginn aus­zu­rich­ten. Spie­ler wol­len das Spiel auf­bau­en, Kar­ten in die Hand neh­men und mög­lichst schnell in die ers­te Par­tie star­ten. Das Regel­werk muss die­sen Ablauf unter­stüt­zen, anstatt ihn indi­rekt zu blo­ckie­ren.

Gleich­zei­tig müs­sen grund­le­gen­de Regeln kla­rer for­mu­liert wer­den. Din­ge, die aktu­ell nur impli­ziert sind, müs­sen ein­deu­tig benannt wer­den. Beson­ders für den Duell­mo­dus bedeu­tet das, dass zen­tra­le Mecha­ni­ken wie Zug­struk­tur, Ent­schei­dungs­ab­läu­fe und die Nut­zung von Kar­ten unmiss­ver­ständ­lich erklärt wer­den müs­sen.

Ich arbei­te aktu­ell bereits an einer neu­en Ver­si­on des Regel­werks, die genau die­se Punk­te auf­greift. Ziel ist es, nicht nur ein voll­stän­di­ges, son­dern ein tat­säch­lich nutz­ba­res Regel­werk zu schaf­fen – eines, das Spie­ler durch das Spiel führt, anstatt vor­aus­zu­set­zen, dass sie sich selbst den rich­ti­gen Weg erschlie­ßen.

Das Spiel funk­tio­niert – doch der Zugang dort­hin ent­schei­det.

Fazit

Der ers­te Blind Play­test von Three Souls: Rivals war kein per­fek­ter Test – aber ein not­wen­di­ger.

Er hat gezeigt, dass das Spiel in sei­ner aktu­el­len Form noch nicht ohne Wei­te­res über das Regel­werk zugäng­lich ist. Gleich­zei­tig hat er aber auch deut­lich gemacht, dass unter die­sen Ein­stiegs­schwie­rig­kei­ten bereits ein Sys­tem steckt, das Spie­ler neu­gie­rig macht und zum Wei­ter­spie­len moti­viert.

Gera­de die­se Kom­bi­na­ti­on macht den Test so wert­voll. Die Pro­ble­me lie­gen nicht dar­in, dass das Spiel nicht funk­tio­niert, son­dern dar­in, wie der Zugang zu die­sem Spiel aktu­ell gestal­tet ist. Und genau das ist ein Pro­blem, das sich lösen lässt.

Für mich war die­ser Tag des­halb vor allem eines: ein Wen­de­punkt. Nicht, weil alles funk­tio­niert hat, son­dern weil zum ers­ten Mal klar wur­de, wo die eigent­li­chen Hür­den lie­gen – und wie der nächs­te Ent­wick­lungs­schritt aus­se­hen muss.

Am Ende bleibt vor allem eines: der Wil­le, wei­ter­zu­spie­len.

Sieh dir alle Bil­der an!

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Über Three Souls: Rivals

Three Souls: Rivals ist ein strategisches Mehrspieler-Kartenspiel, das sich aktuell in Entwicklung befindet. Auf diesem Blog erscheinen regelmäßig Einblicke in die Entwicklung des Spiels, Berichte aus Spieletests sowie Hintergrundgeschichten aus der Welt von Three Souls.

Wenn du mehr über das Projekt erfahren möchtest, findest du alle weiteren Informationen hier:

www.three-souls.com


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